Fluorwachsverbot FIS/IBU - Stand 06.06.2020

Aktualisierung: 06.06.2020

25.05.2020  Letztes Treffen des FIS Council. Dort wurde erneuert, dass FIS innerhalb ihrer Wettkämpfe ab Winter 2020/21 keine fluorhaltigen Wachse bzw. fluorhaltigen Komponenten als Tuning der Ski in allen Disziplinen und auf allen Ebenen akzeptieren wird. Über die Art der Kontrolle und über Grenzwerte bei Kontrollmessungen liegen uns noch keine genauen Ergebnisse vor.

Wenige Tage später hat auch die Internationale Biathlon-Union (IBU) den Beschluss gefasst, Fluorwachse aus dem Wettkampfgeschehen zu verbannen.

 

HINWEIS FÜR HÄNDLER UND SKISPORTLER: Wir werden immer wieder gefragt, ob die Verwendung und der Verkauf von Fluorwachsen mit der FIS-Entscheidung nun verboten sei.

Klare Antwort: NEIN! 

FIS ist ein Dachverband der nationalen Skiverbände. FIS hat daher kein Recht Gesetze zu erlassen. FIS hat keinerlei Befugnis, Sportler, Hersteller oder den Handel zu regulieren. Dieses Recht hätten nationale Parlamente und die EU. Durch EU-Recht ist ab 4.7. eine bestimmte Fluorverbindung mit einem neuen Grenzwert versehen. Wir als Hersteller sind verpflichtet, diesen einzuhalten, wenn wir unsere Wachse verkaufen. Und das tun wir. Diese Regelung der EU ist sinnvoll und ein guter Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt.

FIS darf natürlich Regeln aufstellen, aber nur und ausschließlich für ihre Wettkämpfe. Mehr nicht.

ZIPPS-Fluorwachse entsprechen dem EU-Recht. Sie dürfen selbstverständlich verkauft und von Sportlern genutzt werden.

 

Ausgangspunkt war der 28.11.2019:

Am Wochenende sorgte bei den leistungsbewussten Skifahrern die Meldung für Irritationen, dass ab der nächsten Wettkampfsaison (also im Skiwinter 2020/21) der Einsatz von Fluorwachsen bei allen FIS-Rennen, wie zum Beispiel Weltcups, Continentalcup und allen Wettkämpfen, bei denen FIS-Punkte vergeben werden, verboten sei. Eine schriftliche Verlautbarung, der man Einzelheiten entnehmen könnte, lag nicht vor.

Inzwischen hat sich die IBU der Beschlusslage der FIS angeschlossen, wodurch Biathlonwettkämpfe betroffen sind.

 

ZIPPS stellt fest, wofür diese Regelung nicht gelten kann:

  • Für Naturbahnrodler gilt die Regelung auch künftig nicht, denn sie haben ihren eigenen Verband.

  • Für Skiläufer, die nicht an FIS-Wettkämpfen teilnehmen, gilt die Regelung ebenfalls auch in Zukunft nicht. Und das bedeutet: Für Freizeitsport und Training sowie z.B. für Wettkämpfe ohne FIS-Punkte ist die Regelung nicht wirksam.

 

ZIPPS nimmt Stellung zu diesem Beschluss:

  • Von welchen Mengen reden wir? Nach Auskunft von Mitbewerbern und Herstellern von Fluorwachsen ist von einer Weltjahresmenge Fluorwachs (PFC) für Ski von 6 Tonnen auszugehen. Dass das so wenig ist leuchtet ein, denn Fluorwachs macht nur einen ganz kleinen Teil der meisten Skiwachse aus. Zum Vergleich: allein bei der Herstellung von Aluminium werden in Europa jährlich über 30.000 Tonnen PFC emittiert.

  • Was ist Fluor und was ist in den Wachsen enthalten? Fluor ist ein gasförmiges Element, es kommt in der Natur nur in Verbindungen vor. In Skiwachsen werden Perfluoralkane und Perfluoralkylalkane (PFC) verwendet. Das bekannteste Perfluoralkan ist Teflon. Teflon findet im Haushalt (z.B. Pfannen) und in der Technik (z.B. Gleitlager, Dichtungen, Schmiermittel) vielfältige Anwendung. Diese Stoffe sind chemisch gesehen tot und biologisch inaktiv. Sie sind da, sind langlebig (wie z.B. auch Glas), aber es ist kein Schaden an Mensch oder Natur beobachtet worden.

  • Was ist daran gefährlich?  Das Problem sind die Perfluoroktansäure (PFOA) und die Perfluoroktansulfonsäure (PFOS - seit 2007 ist die Herstellung verboten, früher u.a. Verwendung in Feuerlöschmitteln). PFOA (man brauchte sie z.B. für die Synthese von Teflon) ist seit 2017 in der EU und auch in vielen anderen Staaten verboten. Hierzu gibt es Studien, dass diese Säuren in hohen Konzentrationen und über lange Zeit oral verabreicht ein gesundheitliches Risiko darstellen können. PFOS und PFOA haben in der Natur eine lange Lebensdauer. Sie gelten als bioakkumulativ, reichern sich in Organismen an. Natürlich gilt es Mensch und Umwelt zu schützen, und wie stets in diesen Fällen müssen die Mengen beachtet werden, denen Mensch und Umwelt ausgesetzt sind.

  • Welche Mengen PFOA setzt Skiwachs frei? Bei den Vorprodukten zu den Rohstoffen für Skiwachs finden sich noch immer Verunreinigungen durch PFOA, denn sie können aus Vorläuferprodukten durch chemische Reaktionen entstehen. Veränderte Verfahren werden aber auch hier für weiteren Rückgang sorgen. Weltweit entspricht das – selbst wenn man sogar von 10t Fluorwachs Weltjahresverbrauch ausgeht - sehr großzügig mit einem Sicherheitsfaktor von 10 - hochgerechnet derzeit einer Gesamtmenge von nicht mehr als etwa 300 – 500g PFOA, die durch Skiwachse pro Jahr freigesetzt werden. Das lässt sich aus Analysedaten errechnen. Davon wird ein Teil ausgebürstet und abgezogen und im Müll verbrannt oder deponiert, gelangt also bei ordnungsgemäßer Müllbehandlung weder in die Umwelt noch in den Menschen.

  • Wie ist die Rechtslage in der EU?  Ab 2020 gelten neue Richtlinien EU-weit: Die Grenzwerte wurden auf 25ppb für PFOA und 1000 ppb für PFOA-Vorläuferverbindungen abgesenkt. Die bisher übliche C8-Chemie, basierend auf PFOA ist somit nicht verboten, aber es gelten die neuen Grenzwerte. Die Einhaltung gelingt durch Aufreinigung der Vorläuferverbindungen und der Endprodukte durch den Hersteller. Die bisher genutzten C8-basierten fluorierten Wachse dürfen bis 4.7. 2020 noch abverkauft werden. Danach dürfen nur noch aufgereinigte Wachse oder solche mit sogenannter C4- und C6-Technologie verkauft werden.
  • Die zugelassene Technologie lt. EU-Recht ab Juli 2020:
  1. C8-Perfluoralkane innerhalb der zugelassenen Grenzwerte.
  2. Technologien basierend auf Perfluorbutansäure (PFBA) bzw. Perfluorhexansäure (PFHxA). Beide gelten als nicht bioakkumulativ. Die Halbwertzeit im menschlichen Organismus von PFBA beträgt 4 Tage, die von PFHxA zwischen 18 und 40 Tagen (anstatt 4 Jahre bei PFOA). Das größte Risiko lag bei Tierversuchen in der Aufnahme durch Verschlucken. Aus PFBA und PFHxA  kann keine PFOA entstehen. Die PFHxA ist künftig in Fluorwachsen mit ca.1 ppm enthalten, was ca. 6g PFHxA weltweit pro Jahr an Emission durch Skiwachse entsprechen dürfte.
  • Wie wird sich die EU-Richtlinie auf die Fluorproblematik auswirken? Die ab 2020 geltenden EU-Richtlinien werden die Weltjahresmenge an PFOA verringern, aber werden sie nicht 100% beseitigen können. Selbst in sehr großzügig gerechneten 10t Perfluor-Skiwachsen weltweit pro Jahr wird die PFOA-Menge jedoch auf 0,25g oder 250mg pro Jahr reduziert werden.
  • Welche Auswirkungen hat die EU-Richtlinie auf Skiwachs? Die meisten Wachsfirmen kennen die Rechtslage seit Langem und haben sich darauf vorbereitet. ZIPPS hat bereits viele Wachse auf  C6-Technologie bzw. gereinigte C8-Produkte umgestellt und wird dies bis zur Jahresmitte 2020 abgeschlossen haben. Und das Gute: die ZIPPS-Wachse büßen dank unserer Rezepturen durch die Umstellung nichts von ihren Fähigkeiten ein.

 

ZIPPS zieht Bilanz:

  • Der Beschluss der FIS, Fluorwachse gänzlich aus dem Profi- und Leistungssport zu verbannen, ist schwer nachzuvollziehen und sollte dringend überarbeitet werden! Durch fluorfreie Wachse würden die Ski deutlich langsamer werden. Bei bestimmten Bedingungen (feuchter, schmutziger und nasser Schnee) würde das besonders deutlich werden und die Attraktivität des Sportes beeinträchtigen. Die Flächen für Wettkämpfe, auf denen Fluorwachse eingespart würden, sind im Vergleich zu den ansonsten zum Skisport genutzten Flächen klein. FIS und IBU beabsichtigen mit dem Fluorwachsverbot einen Beitrag zum Umweltschutz. Selbst wenn man unterstellt, dass die Hälfte der Weltjahresproduktion an Fluorwachsen bei FIS- und IBU-Rennen verwendet wird, würde das lediglich eine Reduzierung der freigesetzten PFOA weltweit von 250mg auf 125mg pro Jahr bedeuten.

  • Ein justiziabler Nachweis gegen Verstöße ist aufwändig, teuer und wäre in zeitlicher Nähe zum Wettkampf nahezu unmöglich.

  • Die FIS-Darlegung, wie wir sie der Presse entnommen haben, dass durch den Beschluss der Skisport fairer und sogar billiger würde, ist falsch. Die Neuentwicklung von Belägen und Wachsen mit Stoffen, die das Fehlen von Fluor kompensieren müssen, wird das Skifahren eher teurer machen.
  • Alternativen zu Fluorwachsen könnten sein:
  1. Siloxane: von der Leistung her sind sie schlechter als Fluorwachse, aber deutlich leichter abbaubar als PFC.
  2. Schwermetallsalze von Carbonsäure, z.B. Zinkstearat, was ein Mitbewerber benutzt. Zinkstearat gilt gerade   beim Bügeln als gesundheitsschädlich ("Zinkfieber"), Toxizität 225mg - 450mg/Tag (zum Vergleich beträgt die PFOA-Freisetzung durch Skiwachs nach der neuen EU-Regelung weltweit im Jahr 250mg maximal). Schwermetallsalze von Zink, Blei und Kupfer stehen auf der Watchlist verschiedener internationaler Umweltbehören.

ZIPPS ist vorbereitet.

Wenn die FIS bei ihrem Beschluss in der bisher bekannten Form bleibt, ist ZIPPS in der Lage binnen kurzer Zeit die Produkte fluorfrei neben den fluorierten Varianten anzubieten.

Kunden, die bereits jetzt fluorfreie Produkte wünschen, können die folgenden Artikel schon bestellen.

ZR 21 (ZeroFluor), 50ml /  Variante des ZR 20

ZR 41 (ZeroFluor), 50ml /  Variante des ZR 40

TopBase 21 (ZeroFluor), 50ml / Variante des TopBase 20

In Kürze werden wir die gesamte Palette unserer fluorfreien Wachse für die kommende Saison vorstellen.

Wir halten diese Information aktuell.
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