Fluorwachsverbot der FIS – was ist dran?

Stand: 3.12.2019

Lt. Instagram hat Pierre Mignerey (FIS) heute sinngemäß gesagt, dass die Umsetzung dieses Verbotes Jahre dauern kann. Er habe diesbezüglich keine Ahnung.

 

Stand: 28.11.2019

Am Wochenende sorgte bei den leistungsbewussten Skifahrern die Meldung für Irritationen, dass ab der nächsten Wettkampfsaison (also im Skiwinter 2020/21) der Einsatz von Fluorwachsen bei allen FIS-Rennen verboten sei. Eine schriftliche Verlautbarung, der man Einzelheiten entnehmen könnte, liegt aber dem Vernehmen nach noch nicht vor.

 

ZIPPS stellt fest, wofür diese Regelung nicht gelten kann:

  • Für sämtliche Wettkämpfe im Winter 2019/2020, vom Weltcup bis zum großen Volkslauf.

  • Für Biathlon-Wettkämpfe gilt diese Regelung auch künftig nicht, denn die unterliegen nicht der Aufsicht der FIS, sondern der Kontrolle der IBU.

  • Für Naturbahnrodler gilt die Regelung auch künftig nicht, denn die haben ebenfalls ihren eigenen Verband.

  • Für Skiläufer, die nicht an FIS-Wettkämpfen teilnehmen, gilt die Regelung ebenfalls auch in Zukunft nicht. Und das bedeutet: Für Freizeitsport und Training sowie z.B. für vereinsinterne Wettkämpfe ist die Regelung irrelevant.

ZIPPS nimmt Stellung zum bisher bekannten Inhalt des Beschlusses:

  • Von welchen Mengen reden wir? Nach Auskunft eines der größten und wichtigsten Hersteller von Fluorwachsen, die dann von den unterschiedlichen Wachsfirmen weiterverarbeitet werden, ist von einer Weltjahresmenge Fluorwachs von 6t auszugehen. Dass das so wenig ist leuchtet ein, denn Fluorwachs macht nur einen ganz kleinen Teil der meisten Skiwachse aus.

  • Was ist Fluor und was ist in den Wachsen enthalten? Fluor ist ein gasförmiges Element, es kommt in der Natur nur in Verbindungen vor. In Skiwachsen werden Perfluoralkane und Perfluoralcylalkane (PFAA) verwendet. Das bekannteste Perfluoralkan ist Teflon. Teflon findet im Haushalt (z.B. Pfannen) und in der Technik (z.B. Gleitlager, Dichtungen, Schmiermittel) vielfältige Anwendung. Diese Stoffe sind chemisch gesehen tot. Sie sind da, sind langlebig (wie z.B. auch Glas), aber es ist kein Schaden an Mensch oder Natur beobachtet worden.

  • Was ist daran gefährlich?  Das Problem sind die Perfluoroktansäure (PFOA) und die Perfluoroktansulfonsäure (PFOS). PFOA ist seit 2017 in der EU und auch in vielen anderen Staaten verboten. Hierzu gibt es Studien, dass diese Säuren in hohen Konzentrationen und über lange Zeit oral verabreicht ein gesundheitliches Risiko darstellen können. Man brauchte sie bei der Synthese von Perfluoralkanen und sie haben in der Natur eine lange Lebensdauer. Mittlerweile gibt es Alternativen. Natürlich gilt es Mensch und Umwelt zu schützen, und wie stets in diesen Fällen müssen die Mengen beachtet werden, denen Mensch und Umwelt ausgesetzt sind.

  • Welche Mengen PFOA setzt Skiwachs frei? Bei den Vorprodukten zu den Rohstoffen finden sich noch immer Verunreinigungen durch PFOA. Veränderte Verfahren werden aber auch hier für weiteren Rückgang sorgen. Weltweit entspricht das – selbst wenn man sogar von 10t Fluorwachs Jahresverbrauch weltweit ausgeht - hochgerechnet derzeit einer Gesamtmenge von nicht mehr als 300 – 500g PFOA, die durch Skiwachse pro Jahr erzeugt werden. Das lässt sich aus Analysedaten errechnen. Davon wird ein Teil ausgebürstet und abgezogen und im Müll verbrannt oder deponiert, gelangt also bei ordnungsgemäßer Müllbehandlung weder in die Umwelt noch in den Menschen. Zum Vergleich: Allein China produzierte im Jahr 2006 über 200t PFOA für die Fluor-Kunststoffherstellung (PTFE, PFA), aber auch hier ist die Tendenz inzwischen rückläufig.

  • Wie ist die Rechtslage in der EU?  Ab 2020 gelten neue Richtlinien EU-weit. Zur Vermeidung von PFOA dürfen in der Folge die bisher oft genutzten C8-basierten fluorierten Wachse bis Mitte 2020 noch verarbeitet und bis Ende 2020 noch abverkauft werden. Ab 1.1.2021 dürfen nur noch Wachse mit sogenannter C6-Technologie verkauft werden, das sind kürzerkettige Fluorverbindungen. Dies ist ein gänzlich anderer Stoff, aus dem keine PFOA entstehen kann. In den dann verkauften Produkten dürfen nur noch 25ppb an PFOA durch Vorprodukte vorhanden sein.

  • Welche Grenzwerte gelten in der EU? Hier ein Zitat des Bundesumweltamtes vom Mai 2017: Werden PFOA, deren Salze oder Vorläuferverbindungen als Bestandteil eines anderen Stoffes, in einem Gemisch oder Erzeugnis, wie z.B. in Imprägniersprays, Textilien, Lebensmittelverpackungen eingesetzt, gelten Grenzwerte von 25 ppb (entspricht 25 µg/l) für PFOA und deren Salze sowie 1000 ppb (1000 µg/l) für Vorläuferverbindungen.

  • Wie wird sich die EU-Richtlinie auf die Fluorproblematik auswirken? Die ab 2020 geltenden EU-Richtlinien werden die Weltjahresmenge an PFOA in 10t Perfluor-Skiwachsen auf 0,25g oder 250mg reduzieren. In die Umwelt kämen dann etwa 150 – 200mg, weltweit.

  • Welche Auswirkungen hat die EU-Richtlinie auf Skiwachs? Die meisten Wachsfirmen kennen die Rechtslage seit Langem und haben sich darauf vorbereitet. ZIPPS hat bereits viele Wachse auf die umweltfreundliche C6-Technologie umgestellt und wird bis zur Jahresmitte 2020 alle Produkte daran angepasst haben. Und das Gute: die ZIPPS-Wachse büßen dank unserer Rezepturen durch die Umstellung nichts von ihren Fähigkeiten ein.

ZIPPS zieht Bilanz:

  • Der Beschluss der FIS ist schwer nachzuvollziehen und sollte dringend überarbeitet werden! Die Wettkampfstrecken, auf denen auf Fluorwachse verzichtet würde, sind im Vergleich zu den ansonsten zum Skisport genutzten Flächen klein. Eine angebliche wirkliche Reduzierung der PFOA-Belastung kann auch angesichts der vielen anderen Bereiche, in denen PFOA eine Rolle spielt, durch das Fluorwachsverbot nicht gesehen werden. Dazu ist allerdings die neue EU-Richtline geeignet und ausreichend.

  • Ein Nachweis gegen Verstöße wäre nahezu unmöglich. Kommt evtl. nachgewiesenes Fluor vom Kontrollierten selbst oder vom Fahrer vor ihm? War es in der Bürste vom Vorjahr oder aus dem Training? Ungerechtigkeiten wären die Folge.

  • Der Beschluss muss schnell im Wortlaut veröffentlicht werden, um Unsicherheiten und Irritationen zu verhindern.

  • Die FIS-Darlegung, wie wir sie der Presse entnommen haben, dass durch den Beschluss der Skisport fairer und sogar billiger würde, ist falsch. Es wird nach wie vor unterschiedliche Ski, Beläge, Schliffe, Strukturen und auch Wachsqualitäten geben. Und das alles ist auch gut so, denn auch das macht den Sport aus. Die Neuentwicklung von Belägen und Wachsen mit Stoffen, die das Fehlen von Fluor kompensieren müssen, wird das Skifahren eher teurer machen.

ZIPPS ist vorbereitet.

Wenn die FIS bei ihrem Beschluss in der bisher bekannten Form bleibt, ist ZIPPS in der Lage binnen kurzer Zeit die Produkte fluorfrei neben den fluorierten Varianten anzubieten.

Kunden, die bereits jetzt fluorfreie Produkte wünschen, können die folgenden Artikel schon jetzt bestellen. Auslieferung erfolgt dann (wegen der noch nicht fertiger Etiketten) im Verlauf der KW 45.

ZR 21 (ZeroFluor), 50ml /  Variante des ZR 20

ZR 41 (ZeroFluor), 50ml /  Variante des ZR 40

TopBase 21 (ZeroFluor), 50ml / Variante des TopBase 20

Wir halten diese Information aktuell.
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